Seit Jahren beobachte ich das Vereinswesen in der Schweiz aus direkter Nähe und bin immer wieder erstaunt, wie tief Sportclubs in unserer Gesellschaft verwoben sind. Ob nun Fussball, Turnen, Bouldern oder Schwingen – die rund 19’000 Sportvereine im Land sind das Rückgrat des Breitensports. In diesem Artikel teile ich meine Erkenntnisse, biete Orientierungshilfen und zeige auf, welche Neuerungen das Clubjahr kennzeichnen. Wer den richtigen Club sucht oder einfach informiert bleiben möchte, findet hier direkte, sofort nutzbare Einblicke.
Aktuelles aus dem Sport in der Schweiz: Die neuesten Entwicklungen
In den zurückliegenden Monaten haben verschiedene Organisationen und Behörden Regeländerungen und aktuelle Unterstützungsangebote veröffentlicht, die für Vereinsmitglieder sofort fühlbar sind. Ich fasse die wesentlichsten Neuerungen zusammen, die mir bei meiner Recherche ins Auge gestochen sind und die für die Praxis relevant sind. Von überarbeiteten Jugend-Sportrichtlinien bis zu frischen Infrastrukturprojekten lohnt sich ein näherer Blick. Diese Aktualisierungen wirken sich aus auf Trainingsalltag, Kosten und Teilnahmebedingungen direkt, also solltest du sie kennen.
J+S-Weiterentwicklung und neue Förderschwerpunkte
Jugend und Sport (J+S) hat seine Ausbildungsstruktur noch flexibler gestaltet, um Vereinen mehr Flexibilität zu geben. Als Beobachter finde ich es positiv, dass neu kürzere Einführungskurse für Hilfsleiter verfügbar sind. Besonders für kleinere Vereine bedeutet das eine wichtige Entlastung, weil sie so schneller Mitarbeiter gewinnen können. Die Teilnehmer müssen neu mindestens 14 Jahre alt sein und spezifische Online-Lernmodule für ihre Sportart absolvieren, bevor sie aktiv werden können. Das senkt die Einstiegshürde, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.
Neueste Entwicklungen und Tendenzen im Schweizer Vereinswesen
Die letzten zwei Jahre haben das Clubleben aufgewühlt, aber auch einen Digitalisierungsimpuls ausgelöst, den ich so nicht erwartet hätte. Mehr und mehr Clubs stellen bereit Online-Kurse, digitale Choreografien oder virtuelle Mitgliederversammlungen an. Diese Flexibilität bewahren sie nun oft bei, auch wenn der Vor-Ort-Betrieb zurück ist. Ich halte das für klug, denn hybride Optionen reduzieren die Hemmschwelle für Neumitglieder und gestatten Trainings auch bei knappen Zeitressourcen. Ein echter Gewinn für den modernen Vereinssport.
Ins Auge fallend ist für mich der anhaltende Boom bei Outdoor- und Trendsportarten. Boulderhallen, Trailrunning-Gruppen und Stand-up-Paddling-Clubs nehmen zu stark, während traditionelle Programme wie Leichtathletikvereine um Mitglieder kämpfen. Ich deute mir das mit dem Wunsch nach flexiblen, erlebnisorientierten Sportformaten, die weniger Verbindlichkeitscharakter haben. Viele dieser Clubs präsentieren bewusst niederschwellige Probemöglichkeiten und kommen ohne auf starre Trainingspläne. Das entspricht einem modernen Lebensstil entgegenkommt und zieht eine neue Zielgruppe in die Vereine.
Digitalisierung von Training und Management
Umweltbewusstsein und Inklusion als zunehmende Themen
In Unterhaltungen mit Vereinsleitungen fällt mir häufig auf, wie stark die Digitalisierung die Verwaltung verändert hat. Plattformen wie ClubDesk oder Vereinssoftware aus der Schweiz ermöglichen heute eine papierfreie Mitgliederverwaltung. Das reduziert nicht nur Zeit, sondern verringert auch Fehler. Ich selbst erlebe bei Clubs, die gewechselt sind, eine merkbare Erleichterung des Ehrenamts. Reduzierte Bürokratie heisst mehr Schwung für das tatsächliche Clubleben – ein positiver Kreislauf.
Für Trainingsziele sehe ich ebenso einen deutlichen Entwicklung zu Apps. Vom Übungsplan bis zur Taktikwand nutzen selbst Amateurclubs elektronisches Werkzeug, das früher Fachleuten reserviert war. Besonders spannend finde ich Videoanalyse-Programme, die jetzt zu bezahlbaren Tarifen erhältlich sind. Ein durchschnittlicher Fussballclub im Kanton Zürich zeigte mir, wie sie mit simpeler Ausstattung Spielsequenzen ins Teamchat stellen und gemeinsam untersuchen. Das unterstützt Lernprozesse und festigt den Zusammenhalt ohne hochpreisige Hardware.
Umweltbewusstsein ist kein Randthema mehr: Zunehmend mehr Sportvereine integrieren ökologische Vorgaben in ihren Statuten. Ich verfolge, wie Clubs auf Mehrwegbecher setzen, Fahrgemeinschaften fördern oder Solaranlagen auf Clubhäusern montieren. Besonders bemerkenswert finde ich Vereine, die Spiessweiterungen aus recycelten Materialien nutzen oder bei Turnieren regionale, saisonale Verpflegung offerieren. Diese Massnahmen verbessern das Profil und sprechen umweltbewusste Mitglieder hin, die heute genau diesen ganzheitlichen Ansatz verlangen.
Parallel dazu erkenne ich erhebliche Fortschritte bei der Inklusion. Immer mehr Clubs ermöglichen barrierefreie Zugänge und inklusive Trainingsgruppen. Ich habe mir spezielle Angebote im Kanton Bern angesehen, wo ein Leichtathletikverein wöchentlich eine gemischte Sportgruppe für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung durchführt. Was mich daran besonders beeindruckt, ist die Selbstverständlichkeit im Miteinander. Diese Entwicklung wird von Swiss Paralympic und dem Bundesamt für Sport mit gezielten Programmen gefördert, was die Breitenwirkung vergrößert.
Die Vielfalt der Schweizer Sportvereine verstehen
Die Schweizer Sportlandschaft ist bemerkenswert dicht: Statistisch kommt ein Verein auf etwa 460 Einwohnerinnen und Einwohner. Ich sehe darin einen klaren Vorteil, denn kaum ein anderes Land bietet eine ebenbürtige Auswahl direkt vor der Haustür. Von klassischen Turnvereinen über trendige Boulderhallen bis zu weniger bekannten Angeboten wie Indiaca oder Faustball decken die Clubs nahezu jede Bewegungskultur ab. Diese Vielfalt macht es möglich, auch Nischeninteressen gemeinsam auszuleben.
Was mich besonders begeistert, ist die föderale Struktur. Jeder Kanton und viele Gemeinden fördern den Sport aktiv mit eigenen Programmen, etwa über Sportämter oder kantonale Sportkonzepte. Dadurch entsteht ein engmaschiges Netz, das auch in ländlichen Regionen tragfähig ist. Meine Erfahrung zeigt, dass selbst kleine Dörfer oft einen Mehrspartenverein führen, der Jung und Alt integriert. Genau diese lokale Verankerung sorgt für kurze Wege und einen starken sozialen Kitt, den ich bei jedem Besuch neu schätze.
Volkssport versus Leistungssport: Zwei Welten unter einem Dach
Finanzierungsmodelle und Ausgabenstrukturen im Überblick
Zahlreiche Vereine bündeln heute Hobby- und Wettkampfsport unter einem Dach, etwas, das ich aus konzeptioneller Sicht äusserst sinnvoll finde. Wohingegen ambitionierte Sportlerinnen und Sportler in Leistungskadern üben, bleibt das offene Training für alle offen. Diese Durchlässigkeit erzeugt Vorbilder und motiviert Nachwuchstalente an. Ich merke immer wieder, dass Jugendliche durch den direkten Kontakt zu Kadersportlern plötzlich selbst mehr erreichen wollen. Parallel dazu behalten Hobbysporttreibende ihren festen Platz, ohne dabei Druck zu empfinden.
Für Kindern und Jugendlichen stellt das Nebeneinander von Spass und Wettkampf eine nützliche Lernumgebung . Vereine, die die beiden Bereiche trennen vermögen, berichten mir eine höhere langfristige Mitgliederbindung . Entscheidend sei, so erfahre ich von Vorständen, eine transparente Kommunikation der diversen Trainingsziele. Ohne kluge Steuerung kommen sonst Reibungen zwischen den Gruppen. Aus diesem Grund empfehle ich bei der Vereinswahl einen Check auf das Leitbild, um zu ermitteln, welche Philosophie der Club wirklich praktiziert.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weichen von Club zu Club erheblich. Während klassische Turnvereine oft mit Jahresbeiträgen um 100 bis 200 Franken auskommen, können spezialisierte Angebote wie Bouldern oder Eishockey rasch auf 500 bis über 1’000 Franken pro Jahr zunehmen. Aus meiner Analyse ergeben sich die Mehrkosten vor allem durch Hallenmieten, spezielles Material und lizenzierte Trainer. Ich lege nahe, bei Probetrainings explizit nach dem Gesamtbudget zu nachfragen, inklusive Ausrüstung, Lager und etwaiger Lizenzgebühren.
Erfreulich ist, dass viele Gemeinden und Stiftungen Beitragsgesuche unterstützen. In mehreren Kantonen existieren zudem Familiensporttarife, die Geschwistern und Eltern ermässigte Beiträge offerieren. Eltern sollten auch nachsehen, ob die Krankenkasse über Zusatzversicherungen einen Teil der Vereinsbeiträge zurückerstattet. Ich selbst habe schon mitbekommen, wie Familien durch gezielte Fördermittelbelastungen von mehreren Hundert Franken entlastet wurden. Gerade bei teureren Sportarten rentiert sich diese Recherche enorm.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Verhinderung von Überlastungsschäden bei Jugendlichen. J+S stellt den Vereinen umfangreichere Leitfäden und Trainerkarten zur physischen Belastungssteuerung zur Verfügung. Ich fordere allen Jugendtrainerinnen und -trainern, diese Materialien mindestens einmal durchzugehen. In Testphasen in drei Kantonen zeigte sich eine deutliche Senkung der verletzungsbedingten Ausfälle. Wer zeitig auf fundierte Aufbauprogramme setzt, beugt vor chronische Probleme, die später Karrieren kosten können.
Neue Infrastrukturprojekte und ihre Chancen
Schweizweit entstehen gerade verschiedene moderne Sportanlagen, die für Vereine alternative Heimat bieten. Besonders im Raum Winterthur, Luzern und Lugano beobachte ich bedeutende Investitionen in polysportive Hallen, die Kletterwände, Gymnastikräume und Rasenspielfelder unter einem Dach kombinieren. Diese Projekte werden oft in öffentlich-privaten Partnerschaften realisiert und sollen den Mangel an winterfesten Trainingskapazitäten lindern. Für Vereine heisst das konkret: Längere Nutzungszeiten und weniger Ausweichverkehr zwischen Schulsporthallen.
Parallel dazu fördert das Bundesamt für Sport gezielt den Ausbau bestehender Anlagen in energieeffiziente Sportstätten. So profitierte kürzlich ein Ostschweizer Turnverein von einem Zuschuss für eine Photovoltaikanlage auf dem Clubdach, was die jährlichen Nebenkosten um knapp 2’000 Franken reduziert. Solche Erleichterungen schlagen direkt auf die Mitgliederbeiträge durch. Ich lege nahe allen Vorständen, die aktuellen Förderfenster von Swiss Olympic zu kontrollieren; die Antragsfristen sind oft knapp, aber der Arbeitsaufwand lohnt sich spürbar.
Die passende Clubkultur identifizieren und stärken
Jeder Club hat seine ganz eigene Persönlichkeit, und gerade diese bestimmt über Behaglichkeit oder Enttäuschung. Ich betrachte es für einen der grössten Fehler, lediglich auf Sportart und Preis zu blicken, ohne die soziale Atmosphäre zu prüfen. Bei meiner Betrachtung differenzieren sich Vereine häufig grundlegend in Art der Kommunikation, Tradition und Toleranz gegenüber neuen Ideen. Der ideale Club auf dem Papier mag sich als unbehaglich entpuppen, falls die Chemie nicht stimmt. Deshalb widme ich diesem Punkt hier bewusst einen gesonderten Abschnitt.
Ein simpler Test, welchen ich stets anwende: Betrachte, wie im Club über Fehler gesprochen wird. Wird ein misslungener Spielzug öffentlich kritisiert, fragend analysiert oder vernachlässigt? Im Optimalfall nimmt der Trainer den Sportler beiseite und gibt konstruktives Feedback. Ein Verein, der Fehler als Möglichkeit zur Weiterentwicklung betrachtet, schafft ein psychologisch geschütztes Umfeld. Ich habe dies beim Eiskunstlauf-Club in Chur anschaulich miterlebt, wo nach Stürzen auf dem Eis nicht Applaus erwartet wurde, sondern vielmehr fokussierte Analysearbeit eingeleitet wurde. Sorgfältig, wertschätzend – und sehr erfolgreich.
Kommunikation und Konfliktbewältigung im Vereinsalltag
Auch in friedlichsten Vereinen kommen Konflikte auf. Ausschlaggebend ist, ob der Verein klare Mechanismen dafür bereithält. Gewisse Vereine setzen auf ein Telefon für Konflikte oder eine Schlichtungsstelle, vor allem in grösseren Organisationen mit Jugendteams. Ich rate, vor dem Beitritt das Vertrauensgremium zu kontaktieren und nach dem spezifischen Vorgehen bei Verstößen gegen den Verhaltenskodex zu fragen. Wer hier unklar reagiert, weist möglicherweise strukturelle Schwächen auf.
Die zeitgemäße Vereinskommunikation erfolgt häufig über Chat-Dienste wie Signal oder Threema. Entscheidend ist, dass alle wesentlichen Infos dennoch zentral gespeichert werden. Mir sind Clubs bekannt, die aufgrund unkoordinierter Chatgruppen relevante Abmeldungen übersahen, was zu ausgefallenen Trainingseinheiten führte. Ein guter Ansatz sind fixe Redaktionszeiten, wobei eine Person die Zusammenfassung in eine Plattform oder einen Verteiler übermittelt. So bleibt jede Person und jeder auf dem Laufenden, ohne im Chatverlauf verloren zu gehen.
So entdeckst du den passenden Verein – meine getestete Schritt-für-Schritt-Anleitung
Nach zahlreichen Gesprächen mit Wechselwilligen bin ich mir bewusst, wie anspruchsvoll die Vereinssuche sein kann. Bloß den nächstgelegenen Club zu nehmen, greift oft zu kurz. Ich empfehle eine strukturierte Herangehensweise, die individuelle Ziele, zeitliche Ressourcen und soziales Umfeld berücksichtigt. Mit der folgenden Anleitung kommen selbst unentschlossene Sportbegeisterte in einem Club, der nachhaltig Freude bringt. Sie stützt sich auf Methoden, die ich über Jahre verfeinert habe und die sich bei vielfältigen Sportarten bestätigt haben.
Die erste und wichtigste Regel lautet: Gönne dir Zeit für mehrere Probetrainings. Ich halte nichts von schnellen Entscheidungen nach einem einzigen Besuch, denn Ambiente und Trainingsqualität unterscheiden sich je nach Tag und Zusammensetzung der Gruppe. Ein Verein, der beim ersten Eindruck punktet, kann beim zweiten Mal Schwächen offenbaren. Mein Standardempfehlung ist, mindestens zwei bis drei Termine bei verschiedenen Übungsleitern einzuplanen und danach ein ehrliches Bauchgefühl mit konkreten Kriterien zu vergleichen.
- Bedarfsanalyse vornehmen: Notiere, welche Ziele du hast (Fitness, Wettkampf, Geselligkeit) und wie viele Stunden pro Woche machbar sind. Ich mache das selbst mit einem einfachen Blatt Papier – es fokussiert die Prioritäten enorm.
- Regionale Auswahl erkunden: Nutze die kantonalen Sportdachverbände, Swiss Olympic und Plattformen wie sportverein.ch. Ich wähle zuerst nach Distanz zum Wohnort, denn lange Anfahrtswege sind auf Dauer der häufigste Austrittsgrund.
- Probetrainings vereinbaren: Wende dich an mindestens drei Vereine an und frage nach unverbindlichen Schnupperterminen. Erwähne deine Vorerfahrung, damit der Trainer die Übungen anpassen kann. Ich schaue dabei auf die Reaktionszeit – sie offenbart, wie organisiert der Club ist.
- Evaluationskriterien prüfen: Beurteile während der Probetrainings konkret Trainerqualität, Gruppendynamik, Anlagenzustand und Kommunikation. Ich beurteile jedes Kriterium mit einer Schulnote, das macht den Vergleich später leichter und versachlicht die Entscheidung.
- Mitgliedschaft regeln: Bitte dir die Statuten, Beitragsordnung und eventuelle Pflichttermine aushändigen. Ich poche auf einer schriftlichen Übersicht – mündliche Zusagen allein haben mich schon öfter in die Irre geführt.
Die fünf Etappen mögen aufwändig erscheinen, doch sie schützen vor Enttäuschungen. In meiner Beratungspraxis geben über 80 Prozent der Ratsuchenden wieder, dass sie sich danach viel sicherer fühlen. Ein weiterer bedeutender Nebeneffekt: Wer mehrere Vereine besucht, lernt die lokale Sportszene besser kennen. So entstehen oft Kontakte, die auch über die Vereinswahl hinaus nützlich sind. Der initiale Mehraufwand zahlt sich also gleich mehrfach aus.
Vereinszugehörigkeit und Vereinsleben: Das solltest du genau verstehen
Eine Mitgliedschaft im Schweizer Sportverein beinhaltet weit mehr als kontinuierliches Training. Es geht um Mitbestimmung, freiwilliges Engagement und ein engmaschiges soziales Netz. Ich beobachte immer wieder, dass Neumitglieder diesen gesellschaftlichen Aspekt nicht beachten. Anders als im Fitnessstudio wird in einem Verein gemeinsam entschieden, organisiert und gefeiert. Wer sich darauf einlässt, gewinnt schnell echte Freundschaften. Es lohnt sich, die verborgenen Pflichten und Rechte von Anfang an zu verstehen, um keine bösen Überraschungen zu erfahren.
Rechte, Pflichten und das ungeschriebene Regelwerk
Jeder Verein hat formelle Statuten, die über die Website oder auf Anfrage einsehbar sind. Darin finden sich die formellen Mitgliedschaftsrechte, etwa das Wahlrecht an der Generalversammlung. Ich schlage vor dringend, diese Versammlung im ersten Jahr zu besuchen, auch wenn sie oft auf den ersten Blick langweilig wirkt. Dort lernst du die Entscheidungswege verstehen und siehst, welche Themen den Club beschäftigen. Mir selbst hat das zu Beginn oft die Augen geöffnet, hinter die Kulissen eines Betriebs zu blicken, den man sonst nur im Trainingsmodus sieht.
Nebst den formellen Regeln existiert fast immer ein ungeschriebenes Regelwerk. Das betrifft Punkte wie Pünktlichkeit, Mithilfe bei Anlässen oder den Umgangston. Ich rate dazu, sich in den ersten Wochen zurückhaltend zu verhalten und aufmerksam zu beobachten. Manche Vereine legen grossen Wert auf gemeinsames Materialpflegen nach dem Training, andere sind da lockerer. Ein Fettnäpfchen ist schnell umlaufen, wenn du erfahrenen Mitgliedern Fragen stellst und echtes Interesse am Vereinsalltag zeigst.
Ehrenamt als zentraler Erfolgsfaktor
Das Ehrenamt ist das Zentrum jedes Clubs, und ohne freiwillige Helfer wären die meisten Vereine zahlungsunfähig crescianoboulder.ch. Ich habe selbst mehrere Jahre einen Jugendleiterposten begleitet und weiss, wie viel Herzblut in Trainings, Materialpflege und Organisation fliesst. Anerkennung bekommen die Engagierten leider selten. Wer neu eintritt, sollte sich früh entscheiden, wo er oder sie sich ein kleines Stück einbringen kann, sei es bei einem Apéro oder als Fahrer für Auswärtstermine. Das schafft sofort Ansehen und Vertiefung.
Der Zeitbedarf lässt sich häufig flexibel gestalten. Kleine Aufgaben wie Trikotwäsche oder Verkauf von Kuchen an Turnieren benötigen nur punktuell Zeit. Viele Vereine führen zudem eine Online-Helferbörse, in die man sich eintragen kann. Meiner Meinung nach, dass das Ehrenamt einen Großteil des Schreckens verliert, wenn es offen und in überschaubaren Einheiten organisiert wird. So bleibt genügend Zeit für das eigene Training, und du erlebst den Verein aus einer neuen, bereichernden Perspektive.
Bouldern und Klettern als Exempel für dynamisches Vereinswachstum
Kaum ein anderer Sport weist auf aus meiner Sicht aktuell eine so starke Mitgliederkurve wie das Bouldern und Sportklettern. Nach den Olympischen Spielen und dem steigenden Angebot an kommerziellen Hallen kommen Menschen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund in die Vereine. Ich selbst klettere seit Jahren und beobachte, wie die Szene ihre einstige Subkultur ablegt, ohne den Kern der Gemeinschaft zu verlieren. Bei Nachwuchsrekrutierung bis zur Wettkampforganisation liefert dieser Bereich markante Parallelen zum gesamtschweizerischen Vereinswandel.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist in der niedrigen Einstiegshürde. Eine Schnupperkletterstunde liegt bei in vielen Hallen zwischen 25 und 35 Franken inklusive Leihschuhen, und die meisten Boulderclubs bieten ein monatliches Passivmitgliedschaftsmodell ab rund 50 Franken an. Das ist deutlich günstiger als eine volle Fitnessmitgliedschaft, bei vergleichbarer Intensität. Ich merke, dass besonders Studierende und Berufstätige zwischen 25 und 40, die früher vereinsfern waren, jetzt den Weg in die Hallen entdecken und langsam auch das Clubleben kennenlernen.
Integration in den Verein in einer vermachteten Szene
Ausrüstung, Sicherheitsstandards und Ausbildungswege
Im Kontrast zu vielen anderen Sportarten ist die Ausrüstungsverantwortung beim Bouldern vergleichsweise gering, aber die Sicherheitsnormen sollten nie vernachlässigt werden. Ich erlebe oft, dass Neulinge den Unterschied zwischen Bouldern in Absprunghöhe und Sichern am Seil nicht ausreichend kennen. Ein guter Verein vermittelt beides strukturiert und führt ein Logbuch, das durchgeführte Sicherheitskurse aufzeichnet. Achte darauf, dass der Club von Swiss Alpine Club oder einer anderen anerkannten Stelle bestätigt wird; das garantiert zertifizierte Betreuungskompetenz.
Wer sich zum Vorstiegskletterer oder sogar zum Trainer qualifizieren möchte, findet über die Vereine klar definierte Ausbildungswege. Vom Sachkundenachweis Klettern über den Jugendleiter bis zum Boulderspezialisten erstreckt sich die Palette. Mir imponiert die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und kommerziellen Kletterschulen – sie bildet ein umfassendes, qualitativ hochstehendes Ausbildungsnetz. Diese Flexibilität kannst du nutzen, um dich Schritt für Schritt zu fokussieren, ohne gleich den Verbandseintritt vorsehen zu müssen.
Zukunftsausblick: Wohin steuert das Schweizer Sportvereinswesen?
Ein Blick in die nahe Zukunft zeigt mir, dass hybride Sportmodelle und inhaltliche Fokussierung weiter ansteigen werden. Immer mehr regionale Kooperationen bündeln Kräfte, etwa wenn drei kleinere Turnvereine eine gemeinschaftliche Ausrüstungshalle verwalten und die Trainer wechseln. Diese Entwicklung befürworte ich, denn sie erhält das freiwillige System tragfähig und schafft ansprechende Trainingsstunden, die sonst nicht finanzierbar wären. Die Fähigkeit wird sein, die lokale Identität trotzdem zu schützen und nicht zum anonymen Sportanbieter zu verkommen.
Zugleich drängen private Sportanbieter und informelle Trainingsgruppen auf den Markt, die ohne formale Vereinsorganisation auskommen. Ich betrachte darin nicht so sehr eine Gefahr als eine Herausforderung, das eigene Profil zu verbessern. Clubs, die Gemeinschaft, Weiterbildung und gemeinschaftliche Mitwirkung bieten, können manches, was ein loses Netzwerk nicht erbringen kann. Besonders die Mischung aus persönlicher Betreuung, sozialer Bestätigung und partizipativer Mitwirkung ist ein Vorteil, mit dem traditionelle Vereine wuchern sollten.
Was mir sehr Zuversicht verleiht, ist die Offenheit der jungen Generation für Engagement, wenn der Rahmen stimmt. Projekte wie „Jugend führt Verein“ oder Betreuungsprogramme in zahlreichen Kantonen demonstrieren, dass junge Erwachsene durchaus gewillt sind, Pflicht zu tragen – unter der Bedingung, sie erhalten Entfaltungsraum. Ich verfolge diese Bewegung sehr aufmerksam, denn sie könnte die oft beschworene Sorge um Nachwuchs im Führungsgremium entschärfen. Frische Ideen ausschliesslich sind ausreichend aber nicht; der ganze Club muss auch delegieren können und Missgeschicke als Entwicklungsphasen anerkennen.